Patientensicherheit im Fokus — Editorial Deep Dive
Patientensicherheit · Im Fokus
Editorial · Deep Dive

Patientensicherheit im Fokus

18 Millionen Behandlungen pro Jahr. 800.000 Infektionen. 30.000 Todesfälle. Hinter diesen Zahlen stehen systemische Ursachen, wirtschaftliche Folgen und Menschen, die Hilfe brauchen. Ein Tiefblick.

Lesezeit ca. 6 Minuten
Kapitel 1

Warum Patientensicherheit keine Selbstverständlichkeit ist

In deutschen Krankenhäusern werden jedes Jahr rund 18 Millionen Behandlungen durchgeführt. Jeder einzelne Fall ist mit hohen Erwartungen verbunden: Menschen legen ihre Gesundheit, ihr Leben und ihr Vertrauen in die Hände derjenigen, die sie medizinisch versorgen.

Und dennoch zeigt sich täglich, wie herausfordernd es ist, in diesem komplexen Umfeld absolute Sicherheit zu gewährleisten. Krankenhäuser arbeiten permanent unter Hochdruck.

Fachkräftemangel, hohe Fallzahlen, steigende Behandlungskomplexität und ein immer kürzeres Zeitbudget führen dazu, dass Fehler nicht Einzelversagen, sondern oft das Ergebnis vielschichtiger systemischer Faktoren sind.

Kleine Informationslücken, Übergabefehler oder unklare Verantwortlichkeiten können sich zu Risiken summieren. Dabei sind die Folgen real — und messbar.

Kapitel 2

Die Dimension: Infektionen, Todesfälle, Kosten

Jährlich kommt es in Deutschland laut dem Arzt und Hygieniker Dr. Ingo Flesch aus Tübingen zu schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Infektionen, die im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt stehen. Die häufigste davon ist der postoperative Wundinfekt.

30.000

Menschen sterben jährlich an nosokomialen Infektionen

1/3

dieser Fälle wäre durch konsequente Hygiene vermeidbar

Jede 10.

stationäre Einweisung erfolgt wegen falscher Medikamenteneinnahme

Expert*innen, nicht zuletzt Dr. Flesch selbst, gehen davon aus, dass ein Drittel dieser Todesfälle durch konsequente und adäquate Hygienestandards vermeidbar wäre. Auch Medikationsfehler spielen eine große Rolle: Jede zehnte stationäre Einweisung aus dem häuslichen Umfeld erfolgt, weil Patient*innen ihre Medikamente nicht korrekt einnehmen — ein Problem, das oft durch bessere Aufklärung vermeidbar wäre.

58 – 65 Milliarden Euro

Etwa 13 % der gesamten Gesundheitsausgaben entstehen jedes Jahr durch vermeidbare Schäden: Intensivaufenthalte, Folgeoperationen, Reha-Maßnahmen oder Schadenersatzzahlungen.

Kapitel 3

Never Events: Wenn das Undenkbare passiert

In der Patientensicherheit spricht man von sogenannten Never Events: schwerwiegende Ereignisse, die unter Einhaltung etablierter Standards niemals passieren sollten. Dazu zählen etwa Patienten- oder Seitenverwechslungen, gravierende Medikationsfehler oder im Körper verbliebene Fremdkörper nach Operationen.

In Deutschland gibt es bislang kein nationales Melderegister für solche Ereignisse — anders als in einigen anderen Ländern, die bereits sogenannte Never Event Register führen. Aus anderen Statistiken lässt sich jedoch grob schätzen, dass es hierzulande jährlich zu 200–300 Seitenverwechslungen kommt.

Das zeigt, wie wichtig eine Kultur des offenen Lernens ist. Fehler müssen nicht verschwiegen, sondern verstanden werden.

Kapitel 4

Stufe 2 von 5: Wo stehen wir wirklich?

Krankenhäuser stehen aktuell — laut Prof. Dr. med. habil. Reinhard Strametz, einem der führenden deutschen Experten auf diesem Gebiet — auf Stufe 2 von 5 in Sachen Patientensicherheit: reaktiv statt proaktiv.

Erst wenn etwas passiert, wird gehandelt. Der nächste Entwicklungsschritt besteht darin, Risiken systematisch zu analysieren, bevor sie sich manifestieren. Für Prof. Dr. Strametz stehen rund 90–95 % der deutschen Krankenhäuser derzeit an genau diesem Punkt.

Risiken betreffen dabei unterschiedliche Bereiche, die stets individuell für jedes Haus betrachtet werden müssen. Häufige Handlungsfelder sind:

Arzneimitteltherapiesicherheit Infektionsschutz & Hygiene Sepsisprävention Medizinprodukte Kommunikation & Übergaben Fehldiagnosen Personalmanagement

Eine konsequente Sicherheitskultur könnte 4.500 bis 45.000 Leben pro Jahr retten.

— Prof. Dr. med. habil. Reinhard Strametz
Kapitel 5

Die andere Seite von Fehlern: Das Second Victim Phänomen

Wenn es zu unerwünschten Ereignissen kommt, trifft das nicht nur Patient*innen. Auch Mitarbeitende können zum sogenannten Second Victim werden — ein Phänomen, so alt wie die Medizin selbst.

Die emotionalen Folgen sind gravierend: Schuldgefühle, Isolation, Flashbacks, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder körperliche Beschwerden gehören zu den typischen Symptomen. Im schlimmsten Fall kann die Belastung bis hin zum Suizid führen — besonders, wenn Betroffene nach einem Vorfall zusätzlich sanktioniert oder allein gelassen werden.

60–93 %

der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind betroffen

> 50 %

aller Personen erleben das Phänomen irgendwann

6.600 €

Ersparnis pro Pflegekraft und Jahr durch Peer Support

1.000+

Pflegekräfte in der begleitenden Studie

Second Victims brauchen Hilfe statt Bestrafung.

— Prof. Dr. med. habil. Reinhard Strametz

Ein besonders wirksames Instrument ist dabei der Peer Support: Unterstützung durch Kolleg*innen, die das Umfeld, die Abläufe und die emotionale Belastung kennen.

Diese Form der Begleitung ist nicht nur menschlich wertvoll, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Eine Studie die Prof. Strametz begleitet hat kam zu folgendem Ergebnis: Ein Krankenhaus mit rund 1.000 Pflegekräften spart durch ein etabliertes Peer Support Programm im Durchschnitt über 6.600 Euro pro Pflegekraft (nicht Betroffenem!) jährlich — durch weniger Ausfälle, geringere Fehlzeiten und höhere Bindung.

Vertiefen Sie Ihr Wissen

Clogtalk: Zwischen Herz, Hektik und Hygiene

Die Hintergründe aus diesem Artikel basieren auf den Gesprächen mit unseren Podcast-Gästen. Hören Sie die vollständigen Interviews — mit noch mehr Kontext, persönlichen Einblicken und konkreten Handlungsempfehlungen.

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Prof. Dr. med. habil. Reinhard Strametz

Prof. Dr. Reinhard Strametz

3 Folgen: Patientensicherheit, Never Events, Second Victim

Beleuchtet das Thema medizinisch und ökonomisch aus der Perspektive eines Anästhesisten und Forschers.

Dr. Ingo Flesch

Dr. Ingo Flesch

Infektionsschutz & Krankenhaushygiene

Liefert die Zahlen hinter den Infektionen und erklärt, wo Prävention ansetzt.

1. Vorbereitung

In dieser Phase werden alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um den Patienten auf die Operation vorzubereiten. Dies umfasst die Überprüfung der Patientendaten, die Vorbereitung des OP-Saals und die Bereitstellung der benötigten Instrumente und Medikamente. Mit unserem mobilen OP-Tisch LX40 können Sie flexibel auf unterschiedliche Räumlichkeiten zugreifen und den OP-Saal entsprechend anpassen. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung der vorhandenen Ressourcen und verbessert die Vorbereitungszeit.

  • Geringerer Reinigungs- sowie Vorbereitungssaufwand für das Personal
  • Kein Wechsel und verkürzte Wartezeiten für den Patienten
  • Verbesserte Patientenerfahrung sorgt für ein besseres Image für das Krankenhaus
  • Mehr Freiheit und Flexibilität für den Patienten bei der Planung für die anstehende Operationen dank des verkürzten bevorstehenden Krankenhausaufenthaltes
  • Weniger Personal für die Vorbereitung benötigt
Prozess: 1. Vorbereitung, 2. Transport, 3. Operation, 4. Aufwachen und Entlassen

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